In Ludwig Wüsts Film 3.30 PM entdecken die beiden Protagonisten eine Welt im Umbruch:
Auf dem Gelände des ehemaligen Wiener Nord-bahnhofs wird radikal umgebaut und
gentrifiziert für die Musterbürger einer sauberen digitalisierten Gesellschaft. Bäume und
Felder werden abrasiert, um eine Smart City nach Reißbrettmuster aufzustellen, die Spuren
der Obdachlosen, die rund um eine Unterführung Zuflucht fanden, werden eliminiert.
Parallel zu Wüsts Film hat Anke Armandi eine Serie großformatiger Arbeiten geschaffen, die
diese städtische Veränderung auf andere Weise dokumentiert: Ihr Triptychon zeigt
höhlengleichnisartig den Blick aus der Unterführung (bzw. aus einer Betonröhre, die in 3.30
PM einer Sandlerin als Schlafstätte dient) Richtung Licht. Auf dem Gelände dahinter ist der
rasante Umbau schon weit fortgeschritten: Die Häuser-blöcke und Zäune der schönen neuen
Welt rahmen eine Pietà aus dem vermeintlichen Abfall der Vergangenheit, aus der Bauteile
und die Stücke gefällter Bäume wie menschliche Skelettreste ragen.
Christoph Huber, 2020
SMART CITY (1) 154 x 208 cm, 2020, Mixed Media auf Bütten/
Mixed media on handmade paper
SMART CITY (2) 154 x 104 cm, 2020, Mixed Media auf Bütten/
Mixed media on handmade paper
SMART CITY (3) 154 x 104 cm, 2020, Mixed Media auf Bütten/
Mixed media on handmade paper
SMART CITY (4) 154 x 312 cm, 2020, Mixed Media auf Bütten/
Mixed media on handmade paper
ANSEDONIA 462 x 260 cm, Mixed Media auf Bütten/
Mixed media on handmade paper
ANSEDONIA Details
O.T., 2022 Aquarell und Tusche auf Holz
45 x 60 cm